Zulassung geändert - Anwendungen in Blütezeit weiterhin eingeschränkt.

Die EU-Kommission hat im Juli 2015 die Verordnung 2015/1200 hinsichtlich der Höchstgehalte an Rückständen von Amidosulfuron, Fenhexamid, Kresoximmethyl, Thia­cloprid und Trifloxystrobin in oder auf bestimmten Erzeugnissen erlas­sen. Darin sind auch die Werte für Thiacloprid in Honig und sonstigen Imkereierzeugnissen neu festgesetzt. Der neue Wert von 0,05 mg/kg gilt ab 12. Februar 2016. Bisher lag der MRL (Maximum Residue Level) bei 0,2 mg/kg.
Thiacloprid ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Neonicotinoide, der häufig im Rapsanbau eingesetzt wird und zu entsprechenden Rückstän­den in Bienenprodukten führt. Nach unseren Erkenntnissen könnten in Rapsanbauregionen mehr als 10% der Honige nicht mehr verkehrsfä­hig sein. In anderen Gebieten und anderen Honigsorten wären immer­hin ca. 4% von der Änderung betrof­fen. Der neue niedrigere MRL gilt nicht nur für Honig, sondern auch „sonstige Imkereierzeugnisse“, z. B.Blütenpollen. Ob bei einer Charge der MRL tatsächlich eingehalten wird und das Produkt damit noch verkehrsfähig ist, kann nur eine Analyse ermittelt werden.
In den letzten Monaten haben wir mit allen erdenklichen Wegen ver­sucht herauszubekommen, wie es zur Absenkung des MRLs gekom­men ist und wie die Behörden damit umgehen werden. Dazu muss man verstehen, wie das Verfahren zur Festlegung eines Grenzwertes in der EU funktioniert.
Wenn von niemandem eine An­wendung angemeldet wird, wird automatisch die offizielle Bestim­mungsgrenze (LoQ) als Grenzwert festgelegt, welche in diesem Fall bei 0,05 mg/kg liegt.
EU thiaclopridWird jedoch eine Anwendung ge­meldet, dann wird der Grenzwert auf den „Worst Case“ gesetzt, der bei einer Anwendung nach der guten fachlichen Praxis vorkommen kann.
Zur Absenkung des MRLs beim Honig kam es, weil vom Hersteller (Bayer) und den zuständigen Be­hörden (UK und DE) nur eine An­wendung von Thiacloprid für Raps angemeldet wurde, aber keine für Honig.
Nun bemühen sich Hersteller und dienstleistende Behörden, diese „Panne“ zu korrigieren. Die EFSA ist in der EU für die Risikobewer­tung zuständig und bestätigte unsauf Anfrage, dass das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) schon im Juni letzten Jahres einen Antrag zur Erhöhung des MRLs von Thiacloprid bei der EFSA ge­stellt hatte.
Am 1. März veröffentlichte die EFSA dann einen Bewertung nach welcher bei den vorgeschlagenen MRLs von 0,15 oder 0.2 mg/kg keine Gesundheitsrisiken für den Verbraucher zu erwarten seinen.
Damit könnte die EU-Kommission nun den alten Wert als neuen Wert festlegen. Dazu sind aber Bera­tungen mit den Mitgliedsstaaten erforderlich. Das Thema stand auf der Tagesordnung des zuständi­gen Ständigen Ausschusses PAFF (Standing Committee on Plants,Animals, Food and Feed) für den 22. und 23. März. Im Vorfeld wurde bekannt dass Frankreich sich gegen die erneute Veränderung des MRLs aussprechen würde. 

In der aktuellen Ausgabe von DBIBnews haben wir für unsere Mitglieder die Positionierung des DBIB zum neuen Rückstandshöchstwert für Thiacloprid in Bienenprodukten dargestellt. In der Zwischenzeit haben wir intensiv an dem Thema weiter gearbeitet und es gibt wichtige zusätzliche Informationen, die bei Redaktionsschluss von DBIBnews noch nicht vorlagen. 

Inzwischen wissen wir, dass die Sitzung des PAFF Ausschusses der EU-Mitgliedsstaaten, wo diskutiert werden sollte, ob der MRL auf den alten Wert von 0,2 mg/kg zurückgesetzt werden würde, wegen der Terroranschläge in Brüssel nicht statt fand.

Für den 13. und 14. April wurde dieser Punkt erneut auf die Tagesordnung gesetzt und abgestimmt. Nach inoffiziellen Quellen hat Frankreich sich mit seinen Argumenten für eine Beibehaltung des aktuell geltenden Wertes von 0,05 mg/kg nicht durchgesetzt. Nur Frankreich und Slowenien haben sich der Stimme enthalten. Alle anderen Mitgliedstaaten stimmten für den deutschen Vorschlag. Da zuvor die Zeit für eine Änderung vor Beginn der Anbausaison abgelaufen war, hatte das  Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) seinen Plan B aktiviert bei zwei Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Thiacloprid die Zulassung so geändert, dass in bestimmten Kulturen die Anwendung in der Blütezeit nicht mehr zulässig ist. Wir hatten dieses Vorgehen des BVL ausdrücklich begrüßt. Anbei finden Sie die vollständige Mitteilung der Behörde zu dieser Entscheidung.

Aktuell gilt der Rückstandshöchstgehalt von 0,05 mg/kg Thiacloprid in Honig. Der gerade in Brüssel verabschiedete Wert soll am Tag nach der Veröffentlichung der Verordnung in Kraft treten. Bis dahin werden noch etwa 3 Monate vergehen. Der Text muss nach der Übersetzung in die Amtssprachen noch zwei Monate bei Rat und Parlament liegen. Die Einschränkungen bleiben bis dahin bestehen, damit die Imker wir kein Problem mit der Vermarktung der Frühtracht haben werden. Das BVL wird erst nach der offiziellen Veröffentlichung des neuen / alten MRLs entsprechend reagieren.

Wie in bereits ausgeführt, haben wir uns aus der Debatte um den richtigen Wert bewusst herausgehalten und uns in den letzen Monaten darauf konzentriert, für Maßnahmen zu werben, die nicht nur auf dem Papier etwas ändern. Die nun verfügte Änderung der Zulassung ist geeignet, die Belastung von Mensch und Biene durch Thiacloprid tatsächlich zu verringern, anstatt nur den Grenzwert an den „Worst Case“ der bestehenden Praxis anzupassen.

Welche Strategie hat der DBIB in den letzten Monaten gefahren?

oekotestWegen der Auswirkungen auf die Bienengesundheit und Bienenpro­dukte steht Thiacloprid ohnehin schon lange im Rampenlicht (Siehe Titelseite von Ökotest vom November 2014). Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutsch­land (BUND) hatte im vergangenen Jahr seinen Rechtsstreit gegen die Bayer CropScience gewonnen und darf ohne Einschränkung behaup­ten dass zwei von Bayer hergestellte Thiacloprid-Produkte für Bienen gefährlich sind. Aus bestimmten Kreisen wurde das MRL-Problem so dargestellt, als hätten sich die Imker dies mit ihrer Anti-Pestizidkampagne selbst eingebrockt. Das ist natürlich voll­kommener Unsinn, denn bei diesem Wert geht es um Verbraucherschutz und nicht um den Bienenschutz.
Über die Wirkung von Pestiziden auf unsere Bienen können wir eini­ges sagen. Eine humantoxikologische Bewer­tung eines Risikos für die mensch­liche Gesundheit zur Festlegung eines MRLs gehört jedoch nicht zu unserer Kernkompetenz. Dementsprechend haben wir uns aus der Debatte um den richtigen Wert bewusst herausgehalten und uns da­rauf konzentriert, für Maßnahmen zu werben, die nicht nur auf dem Papier etwas ändern. In jedem Fall erscheint es uns sinn­voll, die Belastung von Mensch und Biene durch Thiacloprid zu verrin­gern.
Dies kann entweder durch ein Ver­bot oder wenigstens durch strengere Auflagen bei der Anwendung ge­schehen.
Schon bevor der neue Grenzwert bekannt wurde, hatten wir uns für den möglichst breiten Einsatz der DropLeg Düsen eingesetzt. Minister Schmidt hatte sich schon 2013 mit den DropLegs gebrüstet und als großer Bienenfreund dar­gestellt. Das Problem ist allerdings,dass wir seitdem ständig Ausreden zu hören bekommen, warum das bisher noch nicht geschehen ist. Angeblich seien die Droplegdüsen noch nicht zugelassen. Dies müsse über das JKI noch geschehen. Auch seinen die Düsen zu teuer und ein zusätzlicher Arbeitsaufwand.
Wir haben uns in einer Telefon­konferenz mit dem Hersteller der DropLeg-Düsen noch einmal genau über Zulassung und Verfügbarkeit dieser Technik informiert.
Dabei hat sich herausgestellt, dass es bei der noch ausstehenden Zulassung der Droplegs nur um den Nachweis einer Verminderung der Abdrift geht, weil dann die Abstände zu Gewässern reduziert werden könn­ten. Bei Einhaltung der gleichen Abstände wie bei konventioneller Spritztechnik dürfen die Droplegs aber schon heute eingesetzt werden und es gibt auch schon Landwirte,die das schon tun. Da sind sogar Lohnunternehmer dabei, die große Flächen behandeln. Es gibt keinen Grund die Düsen nicht einzusetzen. Wir haben erreicht, dass der Hersteller die Verantwortlichen beim BVL noch einmal direkt über den Sachstand informiert hat (Siehe PDF unten). Allerdings sind diese Düsen keine Wunderwaffe und können nur Teil eines Maßnah­menpaketes sein zur Reduzierung von Thiacloprid in Umwelt und Nahrungsmittel sein.

Klar ist, dass irgendwelche Versuche interessierter Kreise, die Landwirte nun gegen die Imker aufzuhetzen, um vom Eigentor beim Festlegen des MRLs abzulenken, jeglicher Grundlage entbehren.

Wir werden unsere Mitglieder über die weitere Entwicklung informieren.

Walter Haefeker